Home Office: Erfolgsmodell mit Anspruch

Bild: markusspiske/Pixabay

Keine Pendelei und mehr Produktivität – das Home Office bietet Vorteile, wie zwei Studien zeigen. Trotzdem wollen viele Führungskräfte wieder zurück zum alten Normal. Dabei muss die neue Arbeitweise nur richtig unterstützt werden.

Viele haben in den vergangenen Monaten ihre Erfahrungen mit dem Home Office gemacht. Und darunter gab es viel Positives. Das legen zumindest zwei Studien nahe, die gerade kürzlich veröffentlicht wurden.

Dazu zählt eine Umfrage von ServiceNow – einem IT-Anbieter, der mithilfe von Cloud-Software digitale Prozesse im Unternehmen möglich macht. Das Marktforschungsunternehmen Wakefield Research befragte im September im Auftrag von ServiceNow 900 Führungskräfte und 8.100 Bürofachkräfte in verschiedenen Ländern – unter anderem Deutschland, den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan.

Schneller umgestellt als erwartet

Eines der Ergebnisse: 82 Prozent der deutschen Arbeitnehmer finden, dass ihr Unternehmen seit Beginn der Krise bessere Arbeitsmethoden geschaffen hat. Und dies geschah innerhalb kurzer Zeit. 85 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland geben an, dass ihr Unternehmen schneller auf neue Arbeitsweisen umgestellt hat, als sie es für möglich hielten. Bei den Führungskräften sind sogar 88 Prozent dieser Meinung.

Die Arbeit von zu Hause bietet demnach Vorteile. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der deutschen Arbeitnehmer sagen, dass die Zeitersparnis durch den Verzicht auf das Pendeln oder die Fahrt zum Arbeitsplatz ihnen am meisten zugute kommt.

Zu einem positiven Ergebnis in Sachen Home Office kommt auch eine Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), für die 2.100 Menschen befragt wurden. Laut Untersuchung können die Arbeitnehmer nach eigener Einschätzung zu Hause und im Büro ähnlich produktiv arbeiten. Besonders die konzentrierte Einzelarbeit könne im Home Office aber deutlich besser durchgeführt werden, berichtet Milena Bockstahler, Wissenschaftlerin am Fraunhofer IAO. Vorrausetzung ist natürlich, dass sich der Heimarbeiter oder die Heimarbeiterin nicht um ein Familienmitglied kümmern muss, wie das etwa in der Home-Schooling-Zeit der Fall war.

„Durch das Home Office bieten sich nicht nur den Unternehmen, sondern auch den Mitarbeiter*innen neue Möglichkeiten der räumlichen und zeitlichen Flexibilität. Vor allem die räumliche Unabhängigkeit fördert dabei die Kreativität und Produktivität“, heißt es in einer Pressemeldung des Instituts.

Home Office ist kein Selbstläufer

Doch wer denkt, man schickt das Personal nur zum Arbeiten nach Hause und dann wird alles gut, der täuscht sich. Das Home Office sei kein Selbstläufer, so die Botschaft der Fraunhofer-Studie. Denn im Zeitverlauf habe sich folgendes gezeigt: In den ersten vier Wochen im Home Office scheint es einen Mangel an ausreichenden Informationen und eine geringere Arbeitsleistung gegeben zu haben. Im weiteren Verlauf der Pandemie steigen beide Faktoren zunächst an und nehmen dann wieder konstant ab.

Um das Arbeiten am heimischen Schreibtisch langfristig zum Erfolgsmodell zu machen, ist offensichtlich noch einiges zu tun. Das legt auch die ServiceNow-Studie nahe. Fast die Hälfte der Führungskräfte (46 Prozent) und mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer (54 Prozent) sind überzeugt, dass der Übergang zur neuen Normalität noch schwieriger sein wird als die Ad-hoc-Transformation zu Beginn des Lockdowns. Diese Meinung wird von den Studienteilnehmern in ganz Europa geteilt.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum viele Führungskräfte nicht dauerhaft auf das Home Office setzen. 45 Prozent geben an, dass sie wieder zu den gewohnten Arbeitsprozessen vor der Covid-19-Pandemie zurückkehren wollen. Die Mehrheit der Beschäftigten sieht dies jedoch anders. 57 Prozent wollen die neuen Arbeitsweisen beibehalten.

Smarte Investition in digitale Prozesse

„Die Herausforderung für deutsche Unternehmen wird es sein, die unmittelbare Notwendigkeit der Geschäftskontinuität mit den persönlichen Bedürfnissen der Arbeitnehmer in Einklang zu bringen. Es gilt dafür zu sorgen, dass beide digital ‚fit’ für die bevorstehende Veränderungswelle sind“, sagt Detlef Krause, Deutschland-Chef von ServiceNow. Nicht ganz überraschend empfiehlt der Manager, auf die Digitalisierung der Prozesse zu setzen. „Die smarte Investition in digitale, nahtlose Prozesse und Workflows muss nun zu einer obersten Priorität werden. Nur dann können Unternehmen die nächste Betriebsunterbrechung überstehen und Mitarbeitern einen modernen, attraktiven Arbeitsplatz bieten.“

Auch Gartner-Analyst Ranjit Atwal hat Tipps für ein erfolgreiches Home Office, wie er kürzlich in einem Gespräch verraten hat. Dazu zählen sowohl die passende Hardware als auch kulturelle Faktoren – wie zum Beispiel das Vertrauen des Managements in seine Mitarbeiter, wenn diese verstärkt zu Hause arbeiten.

Wahrscheinlich wird es in Zukunft auf eine Kombination aus Home Office und Büro hinauslaufen. „Wir bewegen uns auf eine Arbeitswelt zu, die von hybriden Arbeitsmodellen geprägt sein wird, und dafür müssen jetzt die entscheidenden Schritte unternommen werden“, sagt Krause. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die Fraunhofer-Studie: Es müssten sowohl in den eigenen vier Wänden als auch im Büro die besten Voraussetzungen für unterschiedliche Tätigkeiten geschaffen werden.

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