Bild: valentin_b90/Pixabay
Netto-Null ist stets das Ziel von Strategien gegen den Klimawandel. Dieses haben sich laut dem Klimaforschungsinstitut MCC auch mehr als tausend Städte weltweit auf die Fahnen geschrieben. Sie wollen nur noch so viel CO2 in die Atmosphäre emittieren, wie sie gleichzeitig zurückholen. Wie dies gelingen kann, zeigt eine Metastudie des MCC, für die 700 Einzelanalysen untersucht wurden. Rein technisch betrachtet könnten sich demnach mit entsprechenden Methoden die CO2-Entnahmen bis 2050 auf eine Gigatonne jährlich addieren.
Pflanzenkohle im Zement und im Boden
Diese Zahl ließe sich zum Beispiel durch die Kombination folgender Maßnahmen in den Städten erreichen:
- Im Städtebau müssten vier Prozent Pflanzenkohle dem Baustoff Zement beigemischt oder alternativ für neun von zehn neuen Häusern der Baustoff Holz verwendet werden.
- Auf einem Drittel der städtischen Rasenflächen müssten Baumlandschaften gepflanzt werden.
- Pflanzenkohle müsste in den Boden von städtischen Grünflächen, Straßenbäumen und Dachgärten gegeben werden – je nach Art des Bodens in einem Umfang von 2,5 bis 20 Prozent.
- 15 Prozent aller Geschäftshäuser müssten mit kleinen Luftfiltern ausgestattet werden, die das Klimagas aus der besonders CO2-haltigen Innenraum-Luft in Städten extrahieren.
Das Forschungsteam hebt hervor, dass solche Formen der dezentralen CO2-Entnahme auch unabhängig vom Klimaschutz-Effekt beträchtlichen Zusatznutzen stiften: für die Umweltqualität, für Gesundheit und Wohlergehen der Menschen sowie auch für die wirtschaftliche Entwicklung.
„Städte sind gute Versuchslabore für Klimaschutz, weil die Regierenden relativ nah dran sind an den Bürgerinnen und Bürgern und an anderen Interessensgruppen und deshalb Aktionspläne leichter umsetzbar sind“, sagt Felix Creutzig, Co-Autor der Studie und Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport. „Klimalösungen auf lokaler Ebene werden oft als irrelevant belächelt, aber vieles, was auf lokaler Ebene erfunden und erprobt wird, kann auf andere Städte ausgeweitet werden und global Wirkung zeigen.“
Potenzial ist da, aber begrenzt
Die Möglichkeiten dürfen allerdings auch nicht überbewertet werden. Die Potenziale für CO2-Entnahmen in Städten seien zwar nicht unbedeutend, aber begrenzt, schränkt Quirina Rodriguez Mendez ein, Doktorandin am MCC und Leitautorin der Studie. „Global betrachtet macht eine Gigatonne nur etwa ein Fünftel der für das Jahr 2050 erwarteten urbanen CO2-Emissionen aus – ein urbanes Netto-Null zur Mitte des Jahrhunderts ist also aus heutiger Sicht nur in Städten mit ganz besonders ambitionierter Emissionsminderung realistisch.“
Immerhin: Möglichkeiten, um CO2 aus der Luft zu entnehmen, sind vorhanden. Dazu zählen auch Anlagen für Direct Air Capture (DAC), die mit Filter-Kollektoren arbeiten. Ein Anbieter ist zum Beispiel Climeworks. Die Schweizer Firma hat kürzlich in Island die laut eigenen Angaben größte Anlage der Welt in Betrieb genommen. Damit sollen pro Jahr 36.000 Tonnen CO2 aus der Luft gefiltert werden.

Bild: Climeworks
Nachdem die Kollektoren das Gas entnommen haben, wird es in Hohlräume im Untergrund transportiert, „wo es in einem natürlichen Prozess mit Basaltgestein reagiert, das sich in Stein verwandelt und dauerhaft gespeichert bleibt“, wie es in einer Pressemeldung heißt. Für sein Verfahren, das Niedertemperaturwärme benötigt, nutzt Climeworks erneuerbare Energien. Die Anlage wird in Modulbauweise errichtet. Zwölf der insgesamt 72 Kollektorbehälter sind bereits installiert. Im Laufe des Jahres soll die komplette Anlage fertiggestellt werden.
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