Kaffeerunden und Vertrauen

Bild: stux/Pixabay

Erst kommt die Kultur und dann die Technik. Wer seinen Mitarbeitern im Home Office nicht vertraut, kann sich auch leistungsfähige Laptops und Webkonferenz-Tools sparen.

Wer im Home Office arbeitet, braucht natürlich entsprechende Technologien. Er muss unter anderem einen gesicherten Zugang zum Firmennetz haben. Und er braucht Kommunikations-Tools, um sich mit seinen Kollegen auszutauschen.

Doch die besten IT-Werkzeuge bringen nichts, wenn Führungskräfte noch innerhalb von Firmenmauern denken. Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern am heimischen Schreibtisch ist entscheidend. So mancher Chef sieht aber den Heimarbeiter nach wie vor als jemanden, der gegen 11 Uhr morgens aufsteht, im Schlafanzug zum Computer schlurft, um ein paar E-Mails zu beantworten, und dann den Rest des Tages mit Netflix verbringt. „Führung durch Vertrauen – da hakt es bei sehr vielen Führungskräften“, sagte Marco Crueger kürzlich auf einem virtuellen Presse-Roundtable des Marktforschungshauses IDC. Er ist Vice President bei Swyx, einem Anbieter von Kommunikationssystemen.

Klarer Informationsfluss

Daneben darf das Home Office nicht dazu führen, dass der Mitarbeiter vom Geschehen im Unternehmen isoliert ist. Er muss auch weiterhin in alle für ihn wichtigen Prozesse eingebunden sein. Gefordert seien ein klarer Informationsfluss und klare Zielvorgaben, so Andrea Trapp, Vice President of Business International bei Dropbox, ebenfalls auf dem IDC-Roundtable.

Dass sich die Unternehmenskultur an die Arbeit von verteilten Teams anpasst, ist ihrer Meinung nach der wichtigste Faktor für den Erfolg solcher Arbeitsmodelle. „Unsere Kunden sprechen mit uns mehr über unsere Kultur und wie wir diese leben als über die richtigen Tools“, berichtet Trapp.

Crueger weist außerdem darauf hin, dass die Arbeit zu Hause eine Herausforderung darstellt. „Im normalen Job gibt es eine Trennung – ich bin acht Stunden im Büro und dann gehe ich nach Hause.“ Im Home Office verwischen diese Grenzen. „Mein Arbeitgeber muss mir eine Situation ermöglichen, um trotz der anderen Dinge, die zu Hause passieren, arbeiten zu können.“ Wie der Arbeitgeber dies konkret unterstützen soll, sagt er allerdings nicht. „Darauf gibt es keine einfachen Antworten“, so Crueger.

Diese müssen aber wohl bald gefunden werden. Denn der überwiegenden Mehrheit der Firmen ist klar, dass die Zeit nicht einfach zurückgedreht wird. Das zeigt eine Befragung von IDC, die im April unter 250 deutschen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern durchgeführt wurde. 79 Prozent gehen dabei davon aus, dass sich die Arbeitsplatzmodelle verändern werden. 36 Prozent glauben, dass es eine Mischung aus Büro- und Remote-Arbeit sein wird. 32 Prozent erwarten zwar Veränderungen, haben davon allerdings noch keine genaue Vorstellung. Und 11 Prozent wollen künftig sogar komplett virtuell arbeiten.

Grafik: IDC

Damit dies gelingt, braucht es die von Andrea Trapp beschworene Unternehmenskultur. Und die stellt für einen nicht unerheblichen Teil der Befragten noch ein Problem dar. So geben 26 Prozent an, dass es ihnen schwer fällt, alte Verhaltens- und Denkmuster in Bezug auf die Art und Weise, wie gearbeitet wird, aufzubrechen. Andere Studien haben ebenfalls gezeigt, dass der Übergang zu einer neuen Normalität der Arbeitswelt vielen Unternehmen nicht einfach fallen wird. Gerade die deutschen Mittelständler seien noch sehr hierarchisch aufgebaut, glaubt Andrea Trapp. „Dort gibt es eingefleischte Strukturen und komplexe Prozesse.“

Freitags nachmittags ein Huddle

Auf dem Roundtable erläuterte sie, wie sie versucht, auch mit Mitarbeitern im Home Office einen Teamgeist aufrechtzuerhalten. „Wir veranstalten zum Beispiel virtuelle Kaffeerunden“, so Trapp. Außerdem sei zu Beginn der Pandemie freitags nachmittags ein Huddle eingeführt worden, wie man das etwa aus dem American Football kennt und in dem man als Team zusammenkommt. „Wir nutzen dies, um zum Beispiel Erfolge zu feiern oder alle im Team auf denselben Stand zu bringen.“

Doch auch dafür ist Kultur die entscheidende Voraussetzung. Wenn ein Mitarbeiter sich nicht gehört fühle oder sich nicht in Firmenentscheidungen einbringen könne, helfe Kaffee trinken nicht viel, so Trapp. „Transparenz und Vertrauen sind die Basis von allem.“

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