Resistente Helfer

Bild: Universal Robots

„Roboter sind immer da, nie krank und müssen nicht in Quarantäne“, sagt Björn Milsch, General Manager für die deutschsprachige Region und Benelux beim Roboterausrüster OnRobot. Das sind ideale Eigenschaften für einen Helfer in der Fabrik – nicht nur, aber auch während der Corona-Krise.

Milsch bestätigt, dass Roboter derzeit besonders gefragt sind. Seit Februar beobachtet sein Unternehmen, dass sich vor allem kleine und mittelständische Unternehmen verstärkt dafür interessieren, ihre Produktion zu automatisieren.

Konkrete Zahlen kommen von einer Trendstudie der Messe Automatica, für die 100 Industrie-Entscheider und 1000 Arbeitnehmer befragt wurden. Eines der Ergebnisse: 84 Prozent der Entscheider rechnen mit mehr Roboter-Automation im deutschen Mittelstand. 77 Prozent setzen auf mobile Robotik, um die Fertigung schnell umzustellen.

Social Distancing dank Roboter

„Industriebetriebe mit Robotern können gezielt einzelne Arbeitsschritte automatisieren, um das Social Distancing in der Fertigung sicherzustellen“, sagt Patrick Schwarzkopf, der beim Maschinenbauer-Verband VDMA für das Thema Robotik und Automation verantwortlich ist. Die neuen Anforderungen an sichere Arbeitsplätze in der Produktion ließen sich mithilfe von Robotik einfach umsetzen. „Wie die Praxis zeigt, helfen Roboter dabei, wichtige Fertigungsprozesse resilienter zu machen.“

Sie stellen auch die Versorgung mit Produkten sicher, die in der Pandemie dringend benötigt werden. „Gleich zu Beginn der Covid-Krise baten uns mehrere pharmazeutische Kunden in Europa, den USA und Asien, eine rasche Steigerung ihrer Produktion zu unterstützen, damit sie so schnell wie möglich Duplikationen für diagnostische Kits liefern können“, berichtet zum Beispiel Jean-Francois Bauer, Head of Business Development beim Automatisierungsspezialisten Mikron Automation.

Auch das Carola-Projekt setzt auf Automatisierung. In dem Projekt werden mobile Produktionsstätten entwickelt – quasi eine Mini-Fabrik im Container. Damit sollen sich Schutzmasken schnell und einfach herstellen lassen.

Produktion kommt zurück

Es gibt aber noch ein weiteres Argument, das für eine verstärkte Automatisierung spricht. Die Pandemie hat gezeigt, wie verwundbar die Lieferketten sind. Viele Unternehmen werden jetzt umdenken und prüfen, wie sie die Produktion wieder zurückholen können. „Wir rechnen damit, dass strategische Entscheidungen aus der Vergangenheit nach den jüngsten Pandemie-Erfahrungen auf den Prüfstand gestellt werden“, so Bauer. „Abhängigkeiten in den Lieferketten dürften beispielsweise dazu führen, dass Firmen in Europa oder den USA mit Hilfe von Robotik und Automation neue Kapazitäten in ihren Heimatmärkten aufbauen, um erkannte Schwachpunkte zu reduzieren.“

Hinzu kommt, dass die Hürden für den Einsatz von Robotern künftig noch niedriger werden. „Die Programmierung wird deutlich einfacher werden“, glaubt Andreas Schunkert, Head of Technical Support beim Roboterhersteller Universal Robots. „In Zukunft wird jeder einen Roboter nutzen können – so wie heute eine Bohrmaschine, die man einfach im Baumarkt kaufen kann.“

Viele Tätigkeiten schaden der Gesundheit

Natürlich ist die Automatisierung häufig ein Mittel, um den steigenden Lohnkosten entgegenzutreten. Heißt konkret: Menschen werden durch Maschinen ersetzt, weil letztere billiger sind. Die Roboter, die niemals krank werden, sind auch Jobkiller.

Doch das ist eben nur ein Teil der Geschichte. Nicht nur die Pandemie zeigt, dass Roboter wertvolle Helfer sein können. Für viele Tätigkeiten in den Fabrikhallen ist der Mensch eigentlich nicht gemacht. Das Heben schwerer Lasten oder Überkopf-Arbeiten schaden auf Dauer der Gesundheit . Bei immer älter werdender Belegschaften wird dieses Problem die Unternehmen in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen.

Die Auswirkungen hat der Autor dieser Zeilen selbst gesehen – während einer Reha-Maßnahme, die Folge einer gebrochenen Schulter war. Dort lernte ich viele Menschen kennen, die ebenfalls ihre Schultern oder Rücken wieder funktionsfähig machen wollten. Doch im Gegensatz zu mir waren ihre gesundheitliche Probleme keine Folgen eines Unfalls, sondern ihres Berufs.

Ein Patient erzählte mir von seinem Job bei einem Landmaschinenhersteller, in dem er mit schweren Reifen hantieren musste. Es war bereits sein zweiter Aufenthalt im Reha-Zentrum. Beim ersten Mal war es die eine, beim zweiten Mal die andere Schulter. Ein paar Monate später traf ich ihn wieder. Nach einer kurzen Zeit der Wiedereingliederung machte er den gleichen Job wie vorher – mit den gleichen Problemen für seinen Körper.

Solche Tätigkeiten wären bei einem Roboter wohl besser aufgehoben. Roboter werden nicht nur nicht krank, sondern bekommen auch keine Schmerzen in ihren Gelenken.

Unterstützung für Pflegekräfte

Sie haben auch keine Rückenbeschwerden, wenn sie Patienten heben müssen – so wie das menschlichen Pflegekräften häufig passiert. Auch in diesen Fällen ist der Einsatz von Robotern sinnvoll, wie das Beispiel Justin zeigt. Der humanoide Roboter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) kann im Weltraum ebenso wertvolle Dienste leisten wie in Pflegeheimen oder im Haushalt. In einem Heim in Garmisch tut er dies bereits – mit postitiven Reaktionen bei Pflegern wie Patienten.

Roboter könnten aber auch dafür sorgen, Menschen in den Berufsalltag zu einzubinden, für die das sonst nicht möglich ist. Autobauer Ford hat gerade gemeinsam mit der RWTH Aachen ein Projekt gestartet, bei dem ein kollaborierender Roboter einen schwerbehinderten Menschen bei dessen Job unterstützen soll. Der Roboter teilt sich dabei den Arbeitsplatz mit dem Werker und arbeitet gemeinsam mit ihm – quasi Hand in Hand ohne Trennung durch einen Schutzzaun. Ziel des Projekt sei es, „die Beschäftigungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderung zu erweitern und neue technische Entwicklungen zur Förderung der Inklusion zu nutzen“, heißt es in der Pressemeldung von Ford.

So ist der Roboter nicht nur Jobkiller, sondern auch Integrationshelfer.

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