Smart durch die Krise

Bild: Universität Stuttgart IFF/Fraunhofer IPA, Stephan Maier

Unternehmen setzen auf intelligente und vernetzte Maschinen, um aus der Krise zu kommen. Und das Internet der Dinge (IoT) kann auch in anderen Bereichen eine Hilfe in der Pandemie sein.

Corona – Bremse oder Antreiber? In Sachen Digitalisierung und Automatisierung wird die aktuelle Pandemie häufig als letzteres gesehen. So gab es in den vergangenen Monaten einige Anzeichen, dass die Krise zum Beispiel dafür sorgt, dass Unternehmen mehr in Roboter investieren.

Neue Nahrung bekommt die These von Corona als Technologietreiber durch eine Studie des Marktforschungshauses IDC, für die 250 Unternehmen im industriellen oder industrienahen Bereich befragt wurden. Fast 40 Prozent wollen wegen Covid 19 ihre Investitionen in das Industrial Internet of Things (IIoT) erhöhen. In Deutschland ist IIoT auch unter dem Schlagwort Industrie 4.0 bekannt. Smart Manufacturing ist ein weiterer häufig verwendeter Begriff. Doch egal, wie man es nennt: Es geht um die Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen, Werkzeugen und Produkten, um Daten für die Automatisierung und für Analysen zu erzeugen. So die Definition von IDC.

Laut Studie sehen viele Unternehmen zentrale Vorteile im IIoT, um kurzfristige Herausforderungen zu bewältigen. 53 Prozent der Befragten wollen Prozesse optimieren und Kosten sparen, 47 Prozent erhoffen sich bessere und schnellere Entscheidungen aufgrund genauerer Daten. Insgesamt planen 59 Prozent der Unternehmen neue Projekte – auch um den Herausforderungen von Covid-19 zu begegnen. Der Aspekt, dass viele Firmen IIoT für die interne Optimierung einsetzen, stehe in direktem Zusammenhang mit der Pandemie, meint Marco Becker, Senior Consultant bei IDC. „Man will widerstandsfähig sein in einer solchen Krise und seine Prozesse sowie Kosten optimieren.“

Die Umfrage fand Ende September statt – also noch vor der zweiten Welle und dem damit einhergehenden neuen Lockdown. Ob die wieder verschärfte Situation Einfluss auf die Pläne der Unternehmen hat, ist somit nicht bekannt.

Vorausschauende Wartung dank Künstlicher Intelligenz

Einen Schub für Industrie 4.0 erkennt auch das Marktforschungsunternehmen ISG. Dieses gibt regelmäßig einen Überblick über Anbieter in bestimmten Technologiefeldern. Vor kurzem hat ISG dabei den Markt für das Internet der Dinge (IoT) unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis lautet, dass sich das Geschäft mit IoT-Dienstleistungen und -Plattformen für die Fertigungsindustrie sehr dynamisch zeigt. Dieser Markt weist demnach besonders hohe Wachstumsraten auf.

Ein Grund für IIoT-Investitionen: Unternehmen wollen mit solchen Technologien eine vorausschauende Wartung – oder Predictive Maintenance – umsetzen. Will heißen: Die Analyse von Maschinendaten und anderen Informationen soll dafür sorgen, dass Ausfälle der Anlagen erkannt werden, bevor sie tatsächlich passieren. Künstliche Intelligenz hilft bei der Auswertung der Daten.

Auch IDC berichtet, dass Predictive Maintenance eine häufige Anwendung ist. 49 Prozent der befragten Unternehmen arbeiten bereits mit Künstlicher Intelligenz oder setzen entsprechende Pilotprojekte um.

Laut den IDC-Analysten bremst Covid-19 zwar aktuell einige Unternehmen auch aus. Für andere sei es hingegen der Moment, in denen sich ihre Investitionen in neue Technologie und vor allem auch in IIoT auszahlen. Die Krise sei für viele gleichzeitig ein Weckruf, längst notwendige Modernisierungen durchzuführen.

Christian Decker, Leiter Smart Manufacturing bei ISG für die Region EMEA, erwartet, dass Unternehmen in der Nach-Covid-Welt noch mehr Interesse an Industrie 4.0 haben werden als bisher. „Kollaborative Roboter und IT-Systeme können beispielsweise dazu beitragen, die Anzahl von Mitarbeitern vor Ort zu reduzieren und Personaldefizite zu beheben, wenn physischer Abstand gehalten werden muss. Die Zukunft findet bereits statt, aber nur die cleversten Unternehmen werden ihr volles Potenzial nutzen.“

Die Pandemie verlangsamt auch Projekte

Wenn es generell um IoT geht – also nicht nur um Anwendungen im Produktionsumfeld -, dann sehen die Marktforscher von ISG die Pandemie aber durchaus als Hemmschuh. Die Krise verlangsame IoT-Projekte nicht nur, manche kämen sogar ganz zum Stillstand. Grund sind zum einen Lieferverzögerungen bei den benötigten Geräten. „Zwar hat China die Produktion von IoT-Geräten wieder fast komplett hochgefahren, aber viele Lieferketten sind weiterhin unterbrochen“, so Decker. Zum anderen haben laut ISG die meisten Unternehmen IT-bezogene Projekte abgesagt, die keine direkt messbaren Auswirkungen auf ihre Einnahmequellen haben.

Zum IoT zählen neben intelligenten Produktionsmaschinen viele weitere Systeme – wie etwa Technologien für das vernetzte Auto oder für das Smart Home beziehungsweise für Smart Buildings. Besonders die Funktionen von IoT-Lösungen für intelligente Gebäude werden laut ISG derzeit stark ausgeweitet. Inzwischen gehe es nicht mehr nur um die reine Gebäudeverwaltung und -wartung. „Auch die Energieoptimierung sowie Arbeitsplätze, Arbeitsprozesse und das Wohl der Mitarbeiter würden unterstützt“, heißt es in dem ISG-Report.

Gerade in Bezug auf den letztgenannten Aspekt könnte die Corona-Pandemie auch wieder als Treiber dienen. Denn eine Maßnahme, die zur Zeit besonders häufig diskutiert wird, ist das regelmäßige Lüften. Professionelle Lüftungsanlagen sorgen für weniger Aerosole und somit auch für eine reduzierte Virenbelastung.

IoT hilft im Kampf gegen Viren

Eine intelligente Steuerung über das IoT macht die Geräte effizienter. Durch die Kommunikation mit CO2-Sensoren in den Räumen sorgen die Anlagen dann für frische Luft, wenn diese benötigt wird. Das gleiche gilt für die Vernetzung mit Bewegungsmeldern. Denn auch die Anzahl der Personen gibt Aufschluss darüber, wie gelüftet werden muss.

Somit sollten sich nicht nur Fertigungsexperten eingehend mit dem IoT beschäftigen. Auch für die Mitarbeiter in den Bürogebäuden sowie für Schüler und Lehrer in den Schulen wäre es wünschenswert, wenn der Schub für das Internet der Dinge ein möglichst starker ist.

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