Digital durchgefallen

Bild: Wokandapix/Pixabay

Die digitalen Defizite der deutschen Schulen sind niederschmetternd. Es fehlt an Ausrüstung und an Konzepten – aber ganz besonders an der Unterstützung der Lehrer.

Die Zahlen steigen wieder. Und wer zu Hause ein Kind hat, das sechs Jahre oder älter ist, der fragt sich nur: Wann wird wohl die Schule geschlossen, weil es Corona-Fälle in den Klassen gibt?

Vielen wird bei dem Gedanken ganz mulmig werden. Weil sie sich ein paar Monate zurückerinnern und wissen, dass sie die Aufgaben für ihre Kinder nun wieder in braunen Umschlägen im Briefkasten finden werden. Weil das Internet im deutschen Bildungssektor noch Neuland ist – wenn nicht sogar ein Planet in einer weit entfernten Galaxie.

Die Intention dieses Blogs ist es, Themen möglichst konstruktiv anzugehen. Aber das fällt schwer, wenn es um die Digitalisierung unserer Schulen geht. Ich habe für den VDE dialog einen Artikel darüber geschrieben, indem ich mich unter anderem auf den Bildungsbericht 2020 bezogen habe – den die Kultusministerkonferenz sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben haben. Die Ergebnisse sind niederschmetternd. Es fehlt schlicht an allem in den Schulen – an digitaler Ausrüstung, an finanziellen Mitteln, an Strategie und an Unterstützung der Lehrer.

Auch die Schweiz und Österreich sind digitalisierter

Andere Studien und befragte Experten kommen zum gleichen Resultat. Viele Länder sind uns weit voraus. Und das sind nicht nur die Skandinavier, auf die wir ja in so vielen Dingen neidisch schauen. Auch die Schulen in der Schweiz und Österreich sind in Sachen Digitales weiter als wir.

Besonders erscheckend ist es, wie die Lehrer mit der Technik allein gelassen werden. In den meisten Schulen lässt sich die Situation wie folgt zusammenfassen: Wenn es überhaupt neue Hardware gibt, dann wird diese dem Lehrpersonal vor die Füße gestellt – mit der Botschaft: Der Rest ist euer Ding. Die Veranwortlichen können sich auf die Schultern klopfen, weil die Zukunft des Landes dank neuer Tablets gesichert ist. Dass damit auch sinnvoll gearbeitet wird, ist Nebensache. In der Ausbildung der Lehrer kommt die Vermittlung digitaler Kompetenzen ohnehin zu kurz.

Unternehmen wären weg vom Fenster

Ständig wird über die digitale Transformation in den Unternehmen gesprochen und wie wichtig diese ist, damit man nicht den Anschluss im Wettbewerb verliert. In unzähligen Artikeln und Whitepapern lautet die Aussage: Der Mensch ist genauso wichtig wie die Technik, um von der digitalen Welle nicht weggespült zu werden. Will heißen: Die Mitarbeiter müssen mitgenommen und mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden.

Bei den Verantwortlichen in unserem Bildungssystem hat diese Sichtweise aber offensichtlich keine Relevanz. Würden Unternehmen ähnlich behäbig und unstrukturiert zu Werke gehen und ihre Mitarbeiter im digitalen Regen stehen lassen, hätten sie im Markt nur noch wenig zu melden.

Angst vor der Technik?

Es ist eine interessant Frage, warum das Thema Digitalisierung in den Schulen so vernachlässigt wird. Weil die Investitionen sich erst auf lange Sicht auswirken? Oder ist es die generelle Skepsis gegenüber neuen Technologien, die hierzulande immer wieder anzutreffen ist?

Der Artikel endet übrigens mit einem kleinen Hoffnungsschimmer. Professor Alexander Woll vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) berichtet, dass viele Schulen in der Krise sehr kreativ geworden seien. Und er mahnt, dass es wichtig sei, diese Erfahrungen nun sichtbar zu machen und zu nutzen. Professor Wolls Worte in der Kultusminister Ohren…

Den ausführlichen Artikel über das ganze Dilemma gibt es hier: https://dialog.vde.com/de/ausgaben/2020-03-04-dialog-energie-corona/digitalisierung-im-unterricht-mangelhaft

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