„Technologie ist die Lösung und das Problem“

Karl-Heinz Land ist Berater, doch seine Themen gehen über die übliche Consulting-Denke hinaus. Im Interview erklärt er, wie die Digitalisierung den Planeten retten kann und warum Google asozial ist.

Warum sehen Sie die Digitalisierung als Chance für unseren Planeten?

Karl-Heinz Land: Denken Sie zum Beispiel an autonome Fahrzeuge, die bald in unseren Innenstädten fahren werden. Wenn man die sharen – also teilen – würde, bräuchte man insgesamt weniger Autos. Vielleicht nur noch ein Fünftel der bisherigen Zahl. Wenn es weniger Autos gibt, benötigt man auch weniger Rohstoffe. Und in der Vergangenheit wurden Kriege häufig um Rohstoffe wie etwa Öl geführt. Außerdem bräuchten wir weniger Energie, die auch noch zum großen Teil aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden kann. Zudem könnte überschüssige Energie ebenfalls geteilt werden. Das heißt also: weniger Kriege und weniger Umweltbelastung.

Können Sie weitere Beispiele nennen?

Land: Diese Share Economy lässt sich auch für andere Werkzeuge nutzen – zum Beispiel Maschinen in den Fabriken. Wenn ein Mittelständler im Ein-Schicht-Betrieb arbeitet, nutzt er seine Maschinen nur zu 33 Prozent. Manchmal sind sie vielleicht nur zu 20 Prozent ausgelastet. Jetzt stelle man sich vor, man könnte die sharen. Das ist ein riesiges Potenzial. Wir könnten durch das Internet der Dinge und die Blockchain die Maschinen in einem Drei-Schicht-Betrieb Unternehmen aus Afrika zur Verfügung stellen. Die würden dann von Afrika aus auf den Maschinen in Deutschland produzieren.

Das Ganze würde dann über Web-Plattformen geteilt?

Land: Richtig. Plattformen wie Airbnb oder Uber verwalten den Überfluss. Die vermieten Wohnungen oder Autos, die gerade nicht genutzt werden. Das kann man mit anderen Dingen auch tun – zum Beispiel mit Lebensmitteln, Maschinen und/oder Werkzeugen.

Danach sieht es im Moment aber nicht aus. Die Schere zwischen Besitzenden und Besitzlosen geht weiter auf. Im Internet herrschen Monopole statt Vielfalt.

Land: Das stimmt, im Moment ist das so. Weil es nicht richtig gemanagt wird. Warum müssen Google, Apple oder Amazon nicht viel mehr Steuern zahlen? Wenn Google in der Schweiz 5000 IT-Spezialisten sucht, darbt dort der Mittelstand. Denn alle wollen zu Google gehen. Google zahlt keine Steuern in der Schweiz, nutzt aber das Bildungssystem – nämlich die Unis in der Schweiz – sehr radikal. Das ist asozial. Wir brauchen eine Welt-Umsatzsteuer. Dort wo man Mehrwert erwirtschaftet, muss man auch Steuern zahlen. Wir müssen dafür sorgen, dass jeder am Wohlstand teilhaben kann. Auch das lässt sich über Plattformen sicherstellen. Technologie ist die Lösung und das Problem gleichzeitig.

Diese Veränderungen sind aber nicht im Interesse derer, die gerade die Entwicklung vorantreiben.

Land: Wenn wir uns einig sind, könnte man das relativ einfach regeln. Es muss nur einen gemeinsamen Willen dafür geben, ein Bekenntnis. In der ersten industriellen Revolution waren die Bedingungen für die Arbeiter extrem schlecht. Das war fast Versklavung. Doch dann kamen die Gewerkschaften und soziale Steuern. Und heute kann sich der Arbeiter selbst ein Häuschen leisten. Das wird dieses Mal wieder so sein – in der vierten industriellen Revolution. Es kann nicht sein, dass nur wenige partizipieren. Die Ungleichheit ist so groß, dass Aufstände entstehen, wenn wir das nicht regeln. Und das ist nicht im Interesse von Google, Facebook & Co.

Analog zur sozialen Gesetzgebung im 19. Jahrhundert könnte jetzt das bedingungslose Grundeinkommen die Lösung sein.

Land: Das wird zumindest für eine Übergangszeit die Lösung sein, wenn nämlich die eine Hälfte der Bevölkerung Arbeit hat und die andere nicht. Irgendwann werden wir unser System ganz in Frage stellen müssen. Dann wird man über eine Öko-Soziale-Marktwirtschaft nachdenken.

Wie sieht die aus?

Land: Nehmen wir mal an, die Roboter machen alle Arbeit. Wir Menschen müssen für Geld nicht mehr arbeiten. Man hat ein autonomes Auto, das einen morgens ins Büro fährt. Und dann geht es in den Vermieter-Modus und fährt andere Leute durch die Gegend. Dann müssen diese Roboter und Fahrzeuge in eine soziale Rentenversicherung zahlen. Sie müsse Abgaben machen von der Wertschöpfung, die sie erwirtschaften. Das Auto kann sich den Buckel krumm arbeiten. Das ist mir vollkommen wurscht, es ja ist nur ein Stück Blech. Und ich möchte dafür einen Bonus haben.

Titelbild: Nathan Ishar

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